Fachbuchautor

Der folgende Text ist ein bisschen persönlich … und ursprünglich auf Fachbuchautor.de erschienen. Dort können Sie auch Kommentare hinterlassen.

Wie kommt der Autor zum Verlag?

Was kein Geheimnis ist: Die meisten unverlangt eingesendeten Manuskripte werden von den Verlagen abgelehnt. Viele Verlage suchen sich ihre Autoren selbst, auch in meinem Fall war das so. Damals, 2015, habe ich noch als selbsständiger Webdesigner meine Brötchen verdient. Mein erster Verlag wurde durch eine Tutorial-Website auf mich aufmerksam. Ein Mitarbeiter hat mich ohne Vorwarnung angerufen und gefragt, ob ich Interesse an einer Buchproduktion habe. Am Telefon war ich ziemlich nervös und habe danach erst mal einen Schnaps gebraucht.
Nach der Schockstarre hab ich nochmal alles abgeklopft: Ist der Verlag seriös und will ich ein Fachbuchautor sein? Zwei mal Ja. Dann habe ich ein Konzept abgeliefert und bekam ziemlich schnell den Autorenvertrag. Bei einer Freundin war es ähnlich. Sie schrieb ein halbes Jahr für eine Tageszeitung und wurde daraufhin von einem Verlag unter die Fittiche genommen.
Ein Tipp für Autoren, die Verlage direkt anschreiben: Ein Exposé und eine gute Gliederung abgeben, und natürlich vorher das Verlagsprogramm genau studieren.

Werden noch Sachbücher gekauft? Es steht doch alles in der Wikipedia?

Ja, auf dem Buchmarkt herrscht trotz Wikipedia und diversen Foren immer noch eine hohe Nachfrage. Ein gut strukturiertes Sachbuch erspart viel Zeit. Die Wikipedia ist eine gute Grundlage, aber die Leserinnen und Leser finden dort keine schrittweise aufgebauten Anleitungen.

Was ist der Unterschied zwischen Sachbuchautor und Fachbuchautor?

Alle Fachbuchautoren sind auch Sachbuchautoren, der Unterschied liegt bei der Leserschaft. Ein Sachbuchautor schreibt auch mal gerne über allgemeine Themen, der Fachbuchautor bleibt in seiner Sparte. Wer ein Fachbuch kauft, erwartet konkrete Problemlösungen, keine persönlichen Meinungen und Exkurse.

Was muss ein Fachbuchautor wissen?

Ein Fachbuchautor hat in seinem Spezialgebiet Wissen angesammelt, das die Leserinnen und Leser noch nicht haben, und auch nicht in der Wikipedia steht. Um sich dieses Wissen anzueignen, braucht es Zeit für Recherche. Fachbuchautoren treiben sich viel herum … in meinem Fall sind das WordPress-Meetups und WordCamps, aber auch Fachmessen und Veranstaltungen von Universitäten.

Braucht ein Autor ein Studium oder eine journalistische Ausbildung?

Kommt darauf an. Wer einen Prüfungsratgeber für Juristen schreibt, sollte auch ein Jurastudium absolviert haben. Wenn er sich an Laien wendet, genügen vielleicht auch ein paar Semester. Im IT-Bereich und speziell in der WordPress-Community sieht man das völlig locker, denn da tummeln sich sehr viele Quereinstieger. Mich hat noch nie jemand nach einem formalen Abschluss gefragt. Mein Verlag nicht, mein Lektor nicht und auch kein Leser.

Werden Autoren in die Künstlersozialkasse aufgenommen?

Die KSK steht nicht nur Musikern, Schauspielern, Bildhauern und ähnlichen kreativen Künstlern offen, sondern auch selbständigen Publizisten und Autoren. Für die Aufnahme in die Künstlersozialkasse reichen Talent und guter Wille allerdings nicht aus. Voraussetzung ist, dass mit der künstlerischen oder publizistischen Tätigkeit auch Geld verdient wird. Im Klartext: Die KSK möchte Nachweise in Form von Verträgen oder Rechnungen sehen.
Was die Künstlersozialkasse zu bieten hat, ist ein relativ günstiger Versicherungstarif. Die Versicherten bleiben dabei in ihrer ursprünglichen Krankenkasse. Ein eigenes KSK-Kärtchen, das dann in der Arztpraxis vorgezeigt wird, gibt es nicht. Ansprechpartner für Ärzte und Patienten bleibt die TK, DAK, AOK … die Kasse, in der der Künstler bzw. Publizist vor der KSK-Aufnahme versichert war – und versichert bleibt.

Sind Fachbuchautoren Spießer?

Im Leben nicht, aber beim Schreiben ja! In meinem Bereich veraltet das Wissen nach 2 bis 3 Jahren. Zwischen Vertragsunterzeichnung und Manuskriptabgabe bin ich spießig wie ein preußischer Beamter und achte auf einen täglichen Seiten-Output. Getrödelt wird erst wieder nach dem Abgabetermin.

Brauchen Autoren ein spezielles Schreibprogramm?

Manche Autoren nutzen zum Strukturieren Ihrer Texte und zum Ordnen der Quellen ein spezielles Autorenprogramm wie Scrivener. Ich verwende auf meinem klapprigen Laptop aber nur LibreOffice. Das Manuskript gebe ich als ganz normale DOC-Datei an den Lektor. Satz und Layout machen dann der Verlag.

Wie wichtig ist das Verhältnis zwischen Autor und Lektor?

Sehr wichtig, das muss ein eingespieltes Team sein. Ich arbeite jetzt für die siebte Buchproduktion mit dem selben Lektor zusammen. Wir kennen unsere gegenseitigen Marotten. Ich bin ein Nachtschreiber und kann mich darauf verlassen, dass er mich nie am Vormittag anruft. Er kann sich darauf verlassen, dass ich meine Manuskripte pünktlich halbwegs pünktlich abliefere.

Wollen Fachbuchautoren nicht viel lieber Romane schreiben, wie echte Schriftsteller?

Zugegeben, dem Fachbuchautor fehlt das ganze Flair von Whisky und wildem Leben. Keine Abstürze, keine roten Teppiche. Ich persönlich träume allerdings nicht von einem großen Roman, ich würde lieber was im Bereich Comedy machen.

Können Autoren vom Schreiben leben?

Mein Verdienst setzt sich aus verschiedenen Quellen zusammen. Zum Vorschuss bei der Manuskriptabgabe kommen, sobald das Buch eine bestimmte Schwelle an Verkäufen überschritten hat, noch Anteile für jedes weitere verkaufte Exemplar. Außerdem erhalte ich Tantiemen von der VG Wort und bin in der Lehrerfortbildung tätig. Ab und zu nehme ich aber auch noch Aufträge für WordPress-Websites an. Ich lebe zu 80 % vom Schreiben.